Rückblick zu Antrittsvorlesungen von Benjamin Kilchör und Stefan Schweyer

Am Montag, 9. März 2020 hatte die STH Basel zu einem grossen Anlass geladen. Interessierte, Studierende, Dozierende sowie Familie und Freunde der beiden Professoren Benjamin Kilchör und Stefan Schweyer erklommen den Hügel der STH Basel, um deren Antrittsvorlesungen zu hören. Die beiden AfbeT-Mitglieder Benjamin Kilchör und Stefan Schweyer wurden anschliessend von der STH Basel zu Ordentlichen Professoren für Altes Testament bzw. Praktische Theologie ernannt.

Das dreistufige Raumkonzept der Stiftshütte

Benjamin Kilchör, Professor für Altes Testament, eröffnete den Vorlesungsreigen mit einem Vortrag über die Auf- und Abstiegsnotizen in Exodus 19 und 24. Er ging u. a. auf Exodus 19,3a ein. In diesem Vers wird beschrieben, wie Gott Mose auf den Berg Sinai ruft, um dort mit ihm zu reden. In Exodus 19,3b wird indes berichtet, dass Gott vom Berg her zu Mose spricht. Das hat bisweilen bei vielen Forschern zu Fragen geführt. Ist Mose nun auf dem Berg oder ist er unten am Fusse des Berges und hört von dort her Gott zu sich reden? Prof. Kilchör zeigte überzeugend, dass mithilfe des dreistufigen Raumkonzepts der Stiftshütte die Textschwierigkeiten mit den Auf- und Abstiegsnotizen nachvollziehbar gelöst werden können. Während das Volk am Fuss des Berges („Vorhof“) bleiben musste, durfte Mose auf den Berg („das Heilige“) steigen, und Gott redete mit ihm vom Gipfel desselben („das Allerheiligste“).

Wenngleich viele Forscher annehmen, dass die obigen Textschwierigkeiten durch Zusammenfügung von unabhängigen Texten entstanden sind, überzeugte Prof. Kilchör durch seinen Ansatz: Den Text in seiner Einheit ernst nehmen und theologische Auslegung und exegetische Textarbeit in ein fruchtbares Zusammenspiel bringen, so, dass beide voneinander profitieren.

Die Ausstrahlung der Doxologie

Nach einer Pause trat Stefan Schweyer, Professor für Praktische Theologie, an das Rednerpult und hielt seinen Vortrag: „Doxologie – Die Verherrlichung Gottes in Lobpreis und Liturgie“. Dabei nahm er im ersten Teil seiner Vorlesung die liturgische Bewegung in den Blick. Es wurde schnell deutlich, dass die Doxologie nicht nur ein Element der klassischen Liturgie darstellt, sondern vielmehr jedes ihrer Elemente grundiert und umfängt: Doxologie als der Kernvollzug dessen, was im Gottesdienst geschieht. Prof. Schweyer betonte weiterhin die Wichtigkeit der Ausstrahlung der Doxologie auf das ganze Leben des Menschen. Sie kommt nicht nur in der Liturgie zum Ausdruck (lex orandi), sondern formt auch unseren alltäglichen Glauben (lex credendi) und hat somit Auswirkung auf das gesamte Leben (lex vivendi).

Im zweiten Teil seiner Vorlesung richtete Prof. Schweyer unsere Aufmerksamkeit auf die charismatische Bewegung. Ihr grosser Einfluss hat dazu geführt, dass fast alle der heutigen Freikirchen eine klar umrissene Lobpreiszeit in ihren Gottesdienst integrieren. In dieser Form der Verherrlichung Gottes findet eine Intensivierung statt, indem nun auch die leibliche Dimension in die Doxologie miteinbezogen wird.

In gewohnt strukturierter Weise schälte Prof. Schweyer die Stärken und Schwächen beider Bewegungen heraus und zeigte einleuchtend aufgrund der Heiligen Schrift die Berechtigung ihrer Anliegen. Nachdrücklich beschrieb er die Doxologie als Antwort, die dem Menschen durch die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes aufgetragen ist. Die Doxologie wurzelt damit in Gott selbst und ist die Gebetsform, die bis in Ewigkeit andauert.

Mehr Infos, Bilder und Videoaufzeichnungen der Vorträge gibt es hier.